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Berufsfeld im Überblick

Vom Hörsaal in die Kanzlei – was Praktikanten der Rechtswissenschaften wirklich machen

Kopieren und Kaffee? Das war einmal. Wer heute ein Praktikum in einer österreichischen Kanzlei, einer Steuerberatung oder einer Rechtsabteilung antritt, sitzt spätestens in der zweiten Woche über echten Akten. Sie recherchieren Judikatur in RIS und den gängigen Datenbanken, fassen Entscheidungen zusammen, bereiten Schriftsätze vor, prüfen Verträge auf Klauseln, die später teuer werden könnten. Manchmal begleiten Sie eine:n Rechtsanwält:in zur Verhandlung ans Handelsgericht – und merken dort in vierzig Minuten mehr über Prozesstaktik als in zwei Semestern Zivilverfahrensrecht.

Der Einstieg gelingt meist ab dem dritten oder vierten Semester, oft nach den ersten Diplomprüfungen. Wichtig ist weniger der Notenschnitt als die Bereitschaft, sich in ein fremdes Rechtsgebiet einzulesen, ohne dass man zweimal nachfragen muss.

Und danach? Viele Kanzleien nutzen Praktika ganz offen als verlängertes Bewerbungsgespräch. Aus dem Sommerpraktikum wird die Stelle als juristische:r Mitarbeiter:in während des Studiums, daraus nach dem Mag. iur. oder LL.B./LL.M. die Rechtsanwaltsanwärterschaft. Andere Wege führen ins Gerichtsjahr, in die Finanzverwaltung, ins Notariat oder in die Steuerberatung, wo der Weg zum Steuerberaterexamen über die Berufsanwärterzeit läuft. Wer früh merkt, dass Vergaberecht spannender ist als Strafrecht, spart sich später einen Umweg.

Gefragt sind präzise Formulierung, sauberes Zitieren, verlässliche Fristenlogik und Diskretion – Verschwiegenheit ist in diesem Beruf keine Floskel, sondern Berufspflicht. Englisch brauchen Sie in Wien bei internationalen Mandaten praktisch täglich, Excel öfter als Ihnen im Studium lieb war.

Die Arbeitgeberlandschaft ist breiter, als der Begriff „Kanzlei" vermuten lässt: Großkanzleien am Wiener Ring, auf Arbeits- oder Familienrecht spezialisierte Zwei-Personen-Büros in Linz oder Innsbruck, die Big-Four-Steuerberatungen, Rechtsabteilungen von Banken, Versicherungen und Industriebetrieben, dazu Interessenvertretungen, NGOs und die öffentliche Verwaltung. Kleinere Einheiten geben Ihnen früher Verantwortung. Große geben Ihnen Struktur, Fortbildungsbudget und einen Namen im CV. Beides hat seinen Preis.

Berufsfeld im Überblick

Vom Hörsaal in die Kanzlei – was Praktikanten der Rechtswissenschaften wirklich machen

Kopieren und Kaffee? Das war einmal. Wer heute ein Praktikum in einer österreichischen Kanzlei, einer Steuerberatung oder einer Rechtsabteilung antritt, sitzt spätestens in der zweiten Woche über echten Akten. Sie recherchieren Judikatur in RIS und den gängigen Datenbanken, fassen Entscheidungen zusammen, bereiten Schriftsätze vor, prüfen Verträge auf Klauseln, die später teuer werden könnten. Manchmal begleiten Sie eine:n Rechtsanwält:in zur Verhandlung ans Handelsgericht – und merken dort in vierzig Minuten mehr über Prozesstaktik als in zwei Semestern Zivilverfahrensrecht.

Der Einstieg gelingt meist ab dem dritten oder vierten Semester, oft nach den ersten Diplomprüfungen. Wichtig ist weniger der Notenschnitt als die Bereitschaft, sich in ein fremdes Rechtsgebiet einzulesen, ohne dass man zweimal nachfragen muss.

Und danach? Viele Kanzleien nutzen Praktika ganz offen als verlängertes Bewerbungsgespräch. Aus dem Sommerpraktikum wird die Stelle als juristische:r Mitarbeiter:in während des Studiums, daraus nach dem Mag. iur. oder LL.B./LL.M. die Rechtsanwaltsanwärterschaft. Andere Wege führen ins Gerichtsjahr, in die Finanzverwaltung, ins Notariat oder in die Steuerberatung, wo der Weg zum Steuerberaterexamen über die Berufsanwärterzeit läuft. Wer früh merkt, dass Vergaberecht spannender ist als Strafrecht, spart sich später einen Umweg.

Gefragt sind präzise Formulierung, sauberes Zitieren, verlässliche Fristenlogik und Diskretion – Verschwiegenheit ist in diesem Beruf keine Floskel, sondern Berufspflicht. Englisch brauchen Sie in Wien bei internationalen Mandaten praktisch täglich, Excel öfter als Ihnen im Studium lieb war.

Die Arbeitgeberlandschaft ist breiter, als der Begriff „Kanzlei" vermuten lässt: Großkanzleien am Wiener Ring, auf Arbeits- oder Familienrecht spezialisierte Zwei-Personen-Büros in Linz oder Innsbruck, die Big-Four-Steuerberatungen, Rechtsabteilungen von Banken, Versicherungen und Industriebetrieben, dazu Interessenvertretungen, NGOs und die öffentliche Verwaltung. Kleinere Einheiten geben Ihnen früher Verantwortung. Große geben Ihnen Struktur, Fortbildungsbudget und einen Namen im CV. Beides hat seinen Preis.