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689 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte und 190 Anwärterinnen und Anwärter waren Ende 2024 in Oberösterreich eingetragen. Wer von ihnen den Beruf ausüben darf, wer die Anwaltsprüfung besteht und wer sich an die Standesregeln hält, läuft über einen Schreibtisch in der Gruberstraße 21 in Linz. Dort sitzt die Oberösterreichische Rechtsanwaltskammer, die gesetzliche Vertretung des Berufsstands im Land.
Die Kammer führt das Verzeichnis der oberösterreichischen Anwaltschaft, nimmt die Rechtsanwaltsprüfung ab und wacht darüber, dass sich Anwältinnen und Anwälte an ihre Berufspflichten halten. Kommt ein neues Gesetz, schreibt sie Stellungnahmen. Beschwert sich jemand über eine anwaltliche Vertretung, landet der Fall beim Disziplinarrat. Rechtsgrundlage ist die Rechtsanwaltsordnung; als Körperschaft öffentlichen Rechts verwaltet sich der Berufsstand weitgehend selbst.
Nach außen ist die Kammer vor allem über die Erste Anwaltliche Auskunft sichtbar, eine kostenlose Erstberatung für Bürgerinnen und Bürger. Hinzu kommen die Anwaltssuche, Verfahrenshilfe und der Verteidigernotruf. Dieser Service hat hier Tradition: 1924 war Oberösterreich die erste Rechtsanwaltskammer Österreichs, die der Bevölkerung kostenlose Rechtsauskunft anbot.
Die Wurzeln reichen noch weiter zurück. Gegründet wurde die Kammer am 25. März 1851 als Advokatenkammer der Gerichtssprengel Linz und Steyr, damals mit rund 20 Mitgliedern. 1946 wurde in Oberösterreich die erste Frau als Rechtsanwältin eingetragen. Aus den 20 Anwälten von damals sind die knapp 690 von heute geworden.
Geführt wird die Kammer ehrenamtlich von gewählten Anwältinnen und Anwälten. Präsident ist Dr. Walter Müller, ihm stehen mehrere Stellvertreterinnen und Stellvertreter zur Seite, dazu kommen Ausschuss und Disziplinarrat. Die laufende Arbeit im Hintergrund erledigt das Kammeramt in Linz: Verzeichnisführung, Organisation der Prüfungen, Mitgliederservice und juristische Sachbearbeitung. Wie viele Menschen dort angestellt sind, weist die Kammer öffentlich nicht aus; die Tätigkeitsfelder liegen erkennbar zwischen Verwaltung, Recht und Prüfungswesen. Der Arbeitsplatz ist eine seit über 170 Jahren bestehende öffentlich-rechtliche Institution mit klar gesetzlich umrissenem Auftrag, mitten in Linz.
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